Im WingTsun, wie es heute üblicherweise unterrichtet wird, steht das Training der einzelnen Technikabläufe (Hand-Fußtechniken, Sektionen usw.), Kombinationen von Techniken -sogenannte Kombat Drills oder das Erwerben von taktilen Reflexen (hier speziell das Chi-Sao) im Vordergrund. Dabei wird sehr viel Wert auf den Ablauf und die Genauigkeit einzelner Techniken, Formen oder Programmabläufe gelegt. Der Schüler richtet dabei seine ganze Aufmerksamkeit auf das Erlernen dieser Techniken und Abläufe. Doch schaut man genauer hin, wird immer nur ein Teil des Körpers trainiert oder der Ablauf einer Sektion geübt z.b. beim Chi-Sao - überwiegend nur die Arme, beim Chi-Gerk - überwiegend nur die Beine, beim Lat-Sao - überwiegend nur Hand und/oder Fußtechniken - oft in vorher festgelegten Abläufen. Ein richtiges Timingtraining gibt es dabei nicht! "Beherrscht" der Schüler/Techniker nun alle Programme und versucht diese in einem hektischen Kampf anzuwenden, macht er dabei aber eine ganz andere Erfahrung !!

Diese soll durch eine kleine Anekdote verdeutlicht werden:

Beim Kampftraining - sofern das überhaupt richtig trainiert wird und keine wilde Klopperei darstellt, wo jeder jeden trifft - macht der Schüler/Techniker dann allerdings die Erfahrung, dass er selber auch getroffen wird, obwohl er die Technik korrekt ausgeführt hat und den Kampfprinzipien gefolgt ist. Er beginnt zu zweifeln und fragt dann seinen Lehrer. Der erzählt ihm, dass man manche Sachen erst nach zig Jahren des Trainings gänzlich erlernen könne - DA HAT ER RECHT! - und der einzige Weg dorthin über die nächst "höheren Sektionen" oder Techniken hier speziell Holzpuppe, Langstock und Doppelmesser führen würde. Sie seinen besser als das bisher Erlernte und alles wäre so aufgebaut, dass die nächst "höheren Sektionen/Techniken" die "niedrigeren" schlagen würden - DA HAT ER NICHT RECHT! - Außerdem solle er noch Vollkontakttraining im Ring üben, damit er mehr Einsteckungsvermögen und Kampferfahrung bekäme. "Das ist logisch", denkt der Schüler und sein ganzes Bestreben liegt nun darin diese nächst "höhere Ebene" zu erreichen.

Nach horrenden Investitionen und etlichen Jahren des Technik- und "Kampftrainings" geschieht, wie schon oben beschrieben, immer das Gleiche - ER WIRD GETROFFEN! Der Schüler/Lehrer versteht die Welt nicht mehr, beginnt an sich zu zweifeln und merkt, dass er nicht mehr weiter kommt oder all die Jahre umsonst trainiert hat.

Für mich sind dies keine Einzelfälle, sondern eher die Regel!

Diese kleine Anekdote soll hier einfach einmal die unsinnige Behauptung von höheren, geheimen oder niedrigeren Techniken verdeutlichen. Sie dient oft nur zum weiteren Abkassieren und Hinhalten des ahnungslosen Schülers. Jeder sollte sich darüber klar sein, dass es keine "höheren Techniken" gibt, wohl aber gibt es komplexere Bewegungsstrukturen! Sie sind aber keineswegs der Garant zum Sieg! So kann ein Kämpfer mit einer einfachen Technik, einen Gegner besiegen, obwohl dieser über sehr viel komplexere Techniken verfügt.

In einem Kampf spielt doch nicht NUR die Technik an sich eine große Rolle, sondern auch die Auffassungsgabe, die Anpassungsfähigkeit des optisch-motorischen Systems (Physis), der Kampfeswille, die Koordinationsfähigkeit unterschiedlicher Massen des Körpers, Schnelligkeit, Schlagkraft, Timing, Taktik, richtige Schrittarbeit usw. All diese Faktoren beinflussen den Ausgang des Kampfes erheblich und müssen in einem Kampftraining enthalten sein!

Daß Techniken geübt werden müssen steht außer Frage, wichtig ist jedoch, dass die Techniken eine wisssenschaftliche Basis aufweisen müssen und nicht eine persöhnlichen Interpretation des Lehrers sind oder mit dem Argument begründet werden, dass sie schon mehrere Jahrhunderte so praktiziert werden und sie deshalb keiner Veränderung mehr bedürfen! Für das Vorwärtskommen des Schülers ist doch von entscheidender Bedeutung, dass ER auch seinen Fortschritt merkt! Kommen ihm immer wieder Zweifel, liegt das meistens am Lehrer, da der es auch nicht besser weiß oder kann!

Genauso unsinnig ist die Argumentation, dass man durch das Training mit Schutzausrüstung mehr Einsteckungsvermögen bekommt. Bei Gewalteinwirkungen auf Weichteile wie Auge, Kehlkopf, Genitalbreich gibt es KEIN Einsteckungsvermögen!! Erschwerend kommt hier noch hinzu, dass gerade bei einem Training mit Schutzausrüstung das richtige Timingtraining elementar ist – stattdessen herrscht hier oft eine wilde Klopperei - es kann ja nichts passieren, man hat ja einen Helm auf, Brust- und Tiefschutz an - usw. Doch auch hier macht der Schüler/Techniker immer wieder die Erfahrung, dass er selbst nach zig Jahren des Trainings immer wieder mit den gleichen Techniken im Innfight getroffen wird! Hier werden ganz einfach elementare Gesetzmäßigkeiten von unterschiedlichen Massenbewegungen und deren Anwendung sowie Ausführung im Kampf missachtet und eine spezielle Deckungsarbeit, Distanz- sowie Timingtraining sucht man hier sowieso vergebens!

Viel zu oft überwiegen die theoretische Ausführungen als praktische Anwendunge/Erfahrungen und wissenschaftlich belegte Gegebenheiten. Das hat letztlich zur Folge, dass der Schüler zwar den einzelnen Ablauf der Sektionen oder eine Abfolge von Techniken z.B. Chi-Sao, Chi-Gerk, Lat-Sao Programme usw. kann, sie aber im Kampf - sobald es hektischer wird - nicht anwenden kann, da er nie die Anwendung unter den Gesichtspunkten 1-6 -siehe unten- erlernt hat.

Gerade aber die physikalischen Gegeben- und Gesetzmäßigkeiten im Zweikampf, die biomechanischen Eigenschaften des Verteidigers, die spezielle Deckungsarbeit im Innfight, sowie das daraus resultierende Timing im Zweikampf - der richtige Zeitpunkt von Abwehr und Angriff-, ist von entscheidender Bedeutung!

Doch ein spezielles Training für all das gibt es weder im WingTsun noch in einer anderen Kampfsportart!

Stattdessen wird auf klassische Techniken und festgelegte Programme/Abläufe/Formen sehr viel Wert gelegt! Manchmal findet man auch etwas Kampftraining, das aber oft in einer wilden Klopperei endet ( jeder trifft hier jeden), da weder Lehrer noch Schüler die Grundelemente der Biomechanik sowie die physikalischen Gegebenheiten im Kampf kennen und somit auch nicht ihre Techniken darauf anpassen ! Verletzungen sind deshalb vorprogramiert und kommen häufig vor! Häufig hört man hier: "Das kommt halt vor", "Da muss man durch", "Das kann man nicht abwehren sondern man muss lernen einzustecken" Diese unsinnigen Aussagen zeigen letztlich nur den Trainingsstand des Ausbilders!

Aus diesem Grund hat Sifu Altmayer neue Kampfprogramme/Schülergrade entwickelt, die den neuen Zielsetzungen (Gesichtspunkten 1-6) gerecht werden, die Verletzungsgefahr in Stresssituationen auf ein Minimum reduzieren, die Verteidigungsfähigkeit maximieren und dem Schüler das richtige Timing und die Deckungsarbeit im Innfight aufzeigen. Gleichzeitig entwickelte er ein spezielles Training gegen die Fintenanfälligkeit - auch das gibt es in keiner Kampfsportart!

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